Geschichte

I. Geschichte der Pfingstbewegung in Deutschland

Erste Anfänge

In den Jahren 1906-1908 entstanden die ersten Gemeinden der heutigen Pfingstbewegung in Deutschland, und mit ihnen begann die Geschichte der freikirchlichen Pfingstbewegung. Die ältesten Gemeinden im Bund aus diesen Jahren sind in Berlin, St. Ingbert und Velbert. Seit 1922 wirkte der Evangelist Heinrich Vietheer mit der Berliner Zeltmission und gründete viele ELIM-Gemeinden. Andere Gemeinden schlossen sich diesem Verband an. Von der Bibelschule in Danzig aus erfolgte eine weitreichende missionarische Aktivität seit 1928 mit Hilfe der "Assemblies of God" in Nordamerika unter der Leitung der Brüder Herbert Schmidt und Gustav Kinderman. Die Pfingstbewegung breitete sich dadurch in Osteuropa unter Deutschen, Polen und Russen aus und führte zum Entstehen der Freien Christengemeinden. Seit 1934 wirkte der Evangelist Karl Fix, zuerst in Berlin und später auch in Württemberg. Gemeinsam mit Karl Keck und Paula Gassner führte ihr Dienst zur Entstehung der Volksmissionsgemeinden. Alle diese genannten Gemeinden bilden heute zusammen mit vielen anderen unterschiedlicher Herkunft unseren Gemeindebund.

 

Unterdrückung und Krieg

Im Jahre 1938 erfolgte aufgrund der politischen Lage der Zusammenschluß der ELIM-Gemeinden mit Baptisten und Darbisten zum "Bund Evangelisch Freikirchlicher Gemeinden" (BEFG). Die "Freie Pfingstmission" (Benjamin Schilling/Erwin Lorenz) in Berlin wurde 1936 von der Gestapo verboten. Der zweite Weltkrieg (1939-1945) mit seinen Folgen an Zerstörung, Vertreibung und millionenfachem Tod verursachte die Auflösung der Gemeinden im Osten und die Zerstörung einer großen Zahl Gemeindehäuser. Die Gläubigen, die durch Krieg und Vertreibung aus dem Osten und Südosten Europas nach Westdeutschland kamen, waren aber oft die Gründungsmitglieder neuer Gemeinden.

 

Der neue Anfang

Der BFP führt seine Entstehung als Bund zurück auf die "Erweiterte Brüderkonferenz" im Mai 1947 in Stuttgart. Durch die Wirren und Folgen des zweiten Weltkrieges bedingt, erfolgte zum Ende der 40er Jahre ein neues Suchen und Zusammenfinden von Pfingstgemeinden und ihrer Leiter. Daraus entstand als ein Spektrum der deutschen Pfingstbewegung die "Arbeitsgemeinschaft der Christengemeinden in Deutschland" (ACD), die sich im März 1954 dann auch satzungsmäßig und rechtlich einen Rahmen gab und als e.V. konstituierte. Schon bald formierten sich verschiedene Bundeswerke als gemeinsame Arbeit aller Gemeinden: Die Velberter Mission als Außenmission, das Theologische Seminar BERÖA, der Leuchter-Verlag und die Neulandmission. Später kamen noch weitere Bundeswerke hinzu: Bundesjugendwerk (mit den Royal Rangers), Aktionskomitee für Verfolgte Christen (mit Christen-Hilfswerk NEHEMIA), die Tagungs- und Begegnungsstätte Schloß Naumburg (inzwischen aufgelöst), das Bundes-Unterrichtswerk, die Frauenarbeit und die Schule für Jüngerschaft und missionarische Gemeindedienste Evangelium Offensiv (inzwischen aufgelöst). Das jüngste Bundeswerk ist der Bundesverband der Sozialwerke Freikirchlicher Pfingstgemeinden (BSFP) als Dachverband für alle sozialen Einrichtungen.

Gemeindepflanzung und Gemeindebau waren immer zentrale Anliegen, die sich mit der Evangelisationsarbeit der Gemeinden und Werke verbanden. So schenkte Gott Gnade zum Sammeln der Gläubigen in den Nachkriegsjahren und zum Aufbau neuer Gemeinden. Im März 1974 erfolgte für die ACD die Verleihung der Rechte einer Körperschaft des öffentlichen Rechts in Hessen, und im Mai 1982 änderte man den Namen in "Bund Freikirchlicher Pfingstgemeinden". Im Mai 1988 trat die "Volksmission entschiedener Christen" (Sitz in Stuttgart) mit Gemeinden in Württemberg, Bayern und Berlin dem BFP bei, im Mai 1991 erfolgte die Vereinigung mit 13 Gemeinden in Ostdeutschland, deren größter Teil von 1938 bis dahin seine Heimat im BEFG-Ost gefunden hatte, und im Mai 2000 wurden 30 Ecclesia-Gemeinden Mitglied im BFP als "Ecclesia-Arbeitsgemeinschaft von Gemeinden und Arbeitsbereichen". 

 

 

II. Die Geschichte des Theologischen Seminars BERÖA

 

Ein halbes Jahrhundert BERÖA

Die Geschichte des Theologischen Seminars BERÖA umfasst die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts und den Beginn des neuen Jahrtausends. Das ist ein recht langer Zeitabschnitt, den nur noch wenige aus persönlicher Erfahrung kennen. Darum ein kurzer Überblick in fünf Jahrzehnte.

"Nur wer seine Geschichte kennt, kann die Gegenwart verstehen und die Zukunft gewinnen."

 

Das Jahrzehnt der Anfänge 1951-1961

Eigentlich begann es schon früher mit Bibelkursen in Walle bei Bremen wenige Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges. In Norddeutschland hatten sich große Gemeinden aus Flüchtlingen aus dem Osten zusammengefunden. Gemeinsam mit den ortsansäßigen Pfingstgemeinden begannen sie ab 1948 Mitarbeiter zu schulen. Der gute Besuch ließ die Leiter der Gemeinden die Notwendigkeit einer Bibelschule zur Ausbildung von Predigern und Gemeindemitarbeiter erkennen.

Da die Möglichkeiten der deutschen Pfingstgemeinden einen solchen mutigen Schritt nicht zuließen, ergriff die Assemblies of God in USA (eine der größten Pfingstkirchen) durch ihre Mitarbeiter in Deutschland die Initiative. Neben Gustav Kindermann hatten Paul und Gladys Williscroft, Walter Waldvogel und Balthasar T. Bard wesentlichen Anteil an der Gründung des "Theologischen Seminars" 1951 in Stuttgart. Diese Ausbildungsstätte war für die gesamte deutsche Pfingstbewegung gedacht. Es gab jedoch eine gewisse Zurückhaltung gegenüber der "amerikanischen" Schule.

Gleichwohl und trotz bescheidener Startbedingungen kamen 20 junge Männer nach Stuttgart und begannen ihr Studium. Als "Fackelträger" gingen sie in den Dienst und prägten die weitere Geschichte der deutschen Pfingstbewegung. Die Arbeitsgemeinschaft der Freien Pfingstgemeinden in Deutschland hatte sich nach anfänglichem Zögern hinter die Schule gestellt und profitierte in Folge am stärksten davon.

Das Haus in der Gerockstraße in Stuttgart musste jedoch schon 1954 aufgegeben werden. John P. Kolenda, der inzwischen die Leitung von B.T. Bard übernommen hatte, fand nach längerem Suchen ein Grundstück mit einem eingeschossigen Fabrikgebäude in Erzhausen. Nachdem er zu der Überzeugung gekommen war, daß das der richtige Ort für die neue Schule ist, begannen die mühevollen und eiligen Umbauten, um recht bald wieder mit dem Unterricht starten zu können.

Im selben Jahr wurde die Schule von der AoG an die damalige ACD (Arbeitsgemeinschaft der Christengemeinden in Deutschland) übergeben. Somit wurde BERÖA eine deutsche Schule für die deutschsprachigen Pfingstbewegungen in Deutschland, Schweiz, Österreich und Übersee.

Das Bauen fand nach der Fertigstellung der Kapelle seinen Höhepunkt 1958 mit der Aufstockung des Gebäudes. Nun konnten Schüler in drei Stockwerken leben und unterrichtet werden. Von dem Zeitpunkt an konnten auch junge Frauen auf BERÖA studieren.

 

Das Jahrzehnt der Integration 1961-1971

Nun sah es nicht nur baulich schon besser aus, der neu durch Gemeindebesuche von BERÖA-Teams ins Leben gerufene BERÖA-Freundeskreis half bei den immer noch knappen Finanzen. Die weiterhin planmäßigen Gemeindebesuche von Quartetten und Musikgruppen trugen wesentlich zu der Integration BERÖAs in den Gemeinden bei. BERÖA wurde immer stärker "unsere Schule" in der ACD.

Durch diese Kontakte und den Pastorennachwuchs von BERÖA wurde das Seminar zu einem starken Faktor des Zusammenwachsens unseres Bundes. Neben den Konferenzen geschah dadurch eine zunehmende klare Lehrausrichtung.

Ab 1962 wurde wieder weitergebaut. Der Leuchter-Verlag, eng mit der Bibelschularbeit verknüpft, bekam ein eigenes Gebäude. Zwar nur eingeschossig, aber im Grundriss etwa so groß wie das Seminargebäude.

Mit 43 Schülern im ersten und 25 im zweiten Jahr war das Schuljahr 1962/63 mit 68 Schülern das bislang bestbesuchte. Eindeutiges Zeichen für Akzeptanz durch die Gemeinden und beachtliches Wachstum der Bibelschularbeit selbst. Im Sommer 1963 begannen dann auch die gesegneten und unvergessenen Bibelfreizeiten auf BERÖA.

Erwin Lorenz, der BERÖA von 1957 an leitete, gab wegen seiner vielfältigen Aufgaben als Vorsitzender der ACD die Leitung 1966 an Ludwig Eisenlöffel und Gerhard Klemm ab. Während der erste den Seminarbetrieb ausbaute, ab 1969 wurde die Studienzeit auf drei Jahre erweitert, widmete der zweite sich dem weiteren Ausbau und den Außenaktivitäten. Die Kapelle wurde erneuert und vergrößert. Die Musikfeste auf BERÖA wurden zur Attraktion für Freunde und Jugendgruppen, die oft viele hundert Kilometer anreisten. Daneben wurden weiterhin Pionierfreizeiten forciert, die zur Gründung vieler Gemeinden führten, in denen BERÖANER dann als Pastoren dienten.

 

Das Jahrzehnt des Aufbruchs 1971-1981

Am Beginn dieses Jahrzehnts stand der erweckliche Aufbruch unter jungen Menschen, die von den USA her "Jesus People" genannt wurden. Obwohl sie eindeutige und verändernde Gotteserfahrungen gemacht hatten, brachten sie doch alle Eigenheiten ihrer Subkultur mit, auch nach BERÖA. Es waren schöne, aber nicht immer leichte Jahre. Auffällig viele Schüler kamen damals aus Teen Challenge-Arbeiten und Jesus-Centers und gingen nach ihrer Ausbildung auf BERÖA wieder in solche Arbeiten oder bauten in Gemeinden "Teestuben" auf, wie damals alternative und zeitgemäße jugendmissionarische Arbeiten genannt wurden.

Gemäß dem neuen Ausbildungsförderungsgesetz wurden ab 1973 auch die Studenten auf BERÖA gefördert. Das war für viele eine große Hilfe. Die Studentenzahl erreichte 1973 mit 86 Studenten aus dem In- und Ausland einen Höchststand. Mit Hilfe deutsch-israelischer staatlich geförderter Einrichtungen konnten sowohl 1971 als 1973 mit einem Großteil der Studenten Studienreisen nach Israel durchgeführt werden. Neben dreiwöchiger Mitarbeit auf einem Kibbuz - israelische Gemeinschaftssiedlung - gab es Exkursionen und eine einwöchige Rundreise durch das Land.

Schloss Naumburg - ein 250jähriges Jagdschloss in der Wetterau - wurde 1973 vom Gemeinebund, der damaligen ACD gekauft. Es sollte nach Verkauf der Immobilie in Erzhausen neuer Standort von BERÖA werden. Der Verkauf zerschlug sich jedoch und BERÖA blieb in Erzhausen.

Anstelle der Bibelfreizeiten, die auf die Naumburg verlegt wurden, begann ab Mitte der siebziger Jahre die Kurzbibelschule, die dann ab Ende der achtziger Jahre Sommerbibelschule genannt wurde.

Das Kuratorium der Bibelschule wurde 1977 durch Konferenzbeschluss gegründet und beauftragt, die Belange von BERÖA wahrzunehmen und die Aufsicht zu führen. Es setzte sich aus dem Präsidium des Bundes und den Regionalbeauftragten zusammen.

Nach zwölf Jahren gab Ludwig Eisenlöffel die Leitung 1978 an Richard Krüger ab. Damit hatte am Ende des dritten Jahrzehnts der Generationswechsel auf BERÖA eingesetzt.

 

Das Jahrzehnt des Ausbaues 1981-1991

Dieses Jahrzehnt ist wie das erste durch sehr viel Bauen gekennzeichnet und hat den stillen Beinamen "Bauröa" gefestigt. Es begann mit dem Einbau neuer Fenster. Dann folgte 1982 der Heizungs- und Küchenanbau mit Kühlkammer und die Erneuerung der Heizung im ganzen Haus. Im Sommer 1986 wurde das Dachgeschoss erneuert. Die Zimmer wurden dabei alle mit einer Sanitärzelle ausgestattet. Den Abschluss dieses Baujahrzehntes bildete dann die Aufstockung der Kapelle, um neue Unterrichtsräume zu schaffen. Die Kapelle selbst wurde auch völlig neu gestaltet.

Während dieses Jahrzehntes wurde aber auch der Ausbildungsbereich ausgebaut. Unter der tatkräftigen Studienleitung von Manfred Hofmann wurde das Studium gestrafft und weiterreichende Entwicklungen eingeleitet. Dabei konnte der Musikzweig auf BERÖA ausgebaut werden. Auch das Erlernen der biblischen Sprachen wurde intensiviert.

Während dieses Jahrzehnts unterrichteten neben den Stammlehrern auf BERÖA viele Gastlehrer und eröffneten den Studenten ein breites Spektrum in ihrem Studium.

Gegen Ende dieses Jahrzehnts erlebte BERÖA zum 40jährigen Jubiläum die ganz starke Solidarität der Gemeinden, der BERÖA-Freunde und der BERÖANER bei der Finanzierung der neuen Unterrichtsräume und des Umbaues der Kapelle. Daran beteiligten sich auch schon die Elim-Gemeinden in den neuen Bundesländern, die sich inzwischen dem BFP angeschlossen hatten.


Das Jahrzehnt neuer Perspektiven 1991-2001

Die Wiedervereinigung Deutschlands hatte auch für den BFP mit dem Anschluss der Elim-Gemeinden eine Erweiterung und neue Aufgaben gebracht. Weite Gebiete der neuen Bundesländer waren ohne lebendige Gemeinden und warteten auf Evangelisation und Gemeindegründung.

Daran hatte auch BERÖA Anteil. Zunächst kam mit Günter Karcher ein Lehrer aus dem Osten nach BERÖA. Erste Studenten aus den Gemeinden dort folgten. Von BERÖA wurden Studenten ins Praktikum und in die Gemeindeneugründung gesandt. Mit dem Anschluss von Ecclesia-Gemeinden an den Bund kamen Studenten aus diesen Gemeinden nach BERÖA und eine Reihe anderer gingen in den Dienst dieser Gemeinden. In den Wachstumsprozessen des BFP und der Integration neuer Gemeinden und Mitarbeiter hat BERÖA einen guten Anteil.

Das letzte Jahrzehnt bringt aber auch entscheidende Veränderungen und neue Perspektiven für BERÖA selbst. Nach Schwierigkeiten mit der Anerkennung der Förderungswürdigkeit gemäß Bundesausbildungsgesetz wird das Studium einerseits gestrafft und andererseits auf vier Jahre erweitert. Gleichzeitig beschränkt sich die Ausbildung nur auf den Dienst als Pastor.

Nach 22 Jahren gibt Richard Krüger die Leitung im Jahre 2000 an Günter Karcher ab. Durch Ausscheiden und Neuberufungen gibt es einen Wechsel in der Lehrerschaft. Dieses Team stellt sich den Perspektiven und Aufgaben des neuen Jahrzehnts.

Gleichzeitig wird auch der Seminarbetrieb von der Betriebs- und Hauswirtschaft sowie vom Gästebetrieb getrennt. Im Rahmen eines neuen Gesamtkonzeptes für die Liegenschaft Erzhausen als Ausbildungs- und Leitungszentrum des BFP nimmt BERÖA seine Aufgabe als Theologisches Seminar des Bundes wahr und will den Herausforderungen der kommenden Jahre zum Wachstum der Gemeinde Jesu gerecht werden.

 

 

III. Berliner Erklärung

Hintergrund

In der Aufbruchsphase der Pfingstbewegung am Anfang des 20.Jahrhunderts war die Pfingstbewegung eine Antwort auf geistliche Erstarrtheit und Rationalismus, der sich immer mehr ausgebreitet hatte. Menschen suchten tiefere Erfahrung mit Gott. Im Suchen um geistliche Erweckung war die Erfüllung mit der Kraft des Heiligen Geistes eine göttliche Antwort.

 

Reaktionen

In Deutschland gab es ganz unterschiedliche Reaktionen. Der neue Aufbruch wurde von vielen mit großem Hunger aufgenommen. Auf der anderen Seite gab es aber auch - besonders unter den bereits bestehenden Gemeinden - starke Ablehnung. Der Widerstand formierte sich zu einer massiven Ablehnungsfront gegen den Aufbruch des Heiligen Geistes. Er gipfelte in der Berliner Erklärung vom 15.9.1909.

Die Berliner Erklärung veurteilt den pfingstlichen Aufbruch als "von unten" und erhebt warnend die Stimme. Das Dokument ist über Jahrzente in Deutschland Anlaß zu Trennung und Distanz zwischen pfingstlichen und evangelikalen Christen gewesen. Durch die gemeinsame Erklärung der Evangelischen Allianz Deutschland und des BFP aus dem Jahre 1996 wurde die Berliner Erklärung de facto, wenn auch nicht ausdrücklich, widerrufen. (siehe auch dazu auch Hintergrundbericht aus IDEA 27/1996.)

Nachfolgend veröffentlichen wir als Original aus dem Jahr 1909 den Text der Berliner Erklärung:

 

Die unterzeichneten Brüder erheben warnend ihre Stimme gegen die sogenannte Pfingstbewegung.

1. Wir sind nach ernster gemeinsamer Prüfung eines umfangreichen und zuverlässigen Materials vor dem Herrn zu folgendem Ergebnis gekommen:

a) Die Bewegung steht in untrennbarem Zusammenhang mit der Bewegung von Los Angeles - Christiana - Hamburg - Kassel - Großalmerode. Die Versuche, diesen Zusammenhang zu leugnen, scheitern an den vorliegenden Tatsachen.

b) Die sogenannte Pfingstbewegung ist nicht von oben, sondern von unten; sie hat viele Erscheinungen mit dem Spiritismus gemein. Es wirken in ihr Dämonen, welche, von Satan mit List geleitet, Lüge und Wahrheit vermengen, um die Kinder Gottes zu verführen. In vielen Fällen haben sich die sogenannten "Geistbegabten" nachträglich als besessen erwiesen.

c) An der Überzeugung, daß diese Bewegung von unten her ist, kann uns die persönliche Treue und Hingebung einzelner führender Geschwister nicht irre machen, auch nicht die Heilungen, Zungen, Weissagungen usw., von denen die Bewegung begleitet ist. Schon oft sind solche Zeichen mit ähnlichen Bewegungen verbunden gewesen, z. B. mit dem Irwingianismus, ja selbst mit der "christlichen Wissenschaft" (Christian Science) und dem Spiritismus.

d) Der Geist in dieser Bewegung bringt geistige und körperliche Machtwirkungen hervor; dennoch ist es ein falscher Geist. Er hat sich als ein solcher entlarvt. Die häßlichen Erscheinungen, wie Hinstürzen, Gesichtszuckungen, Zittern, Schreien, widerliches lautes Lachen usw. treten auch diesmal in Versammlungen auf. Wir lassen dahingestellt, wieviel davon dämonisch, wieviel hysterisch oder seelisch ist - gottgewirkt sind solche Erscheinungen nicht.

e) Der Geist dieser Bewegung führt sich durch das Wort Gottes ein, drängt es aber in den Hintergrund durch sogenannte "Weissagungen". Vergleiche 2. Chronik 18, 18-22. Überhaupt liegt in diesen Weissagungen eine große Gefahr; nicht nur haben sich in ihnen handgreifliche Widersprüche herausgestellt, sondern sie bringen da und dort Brüder und ihre ganze Arbeit in sklavische Abhängigkeit von diesen "Botschaften". In der Art ihrer Übermittlung gleichen die letzteren den Botschaften spiritistischer Medien. Die Übermittler sind meist Frauen. Das hat an verschiedenen Punkten der Bewegung dahin geführt, daß gegen die klaren Weisungen der Schrift Frauen, ja sogar junge Mädchen, leitend im Mittelpunkt der Arbeit stehen.

 

2. Eine derartige Bewegung als von Gott geschenkt anzuerkennen, ist uns unmöglich. Es ist natürlich nicht ausgeschlossen, daß in den Versammlungen die Verkündigung des Wortes Gottes durch die demselben innewohnende Kraft Früchte bringt. Unerfahrene Geschwister lassen sich durch solche Segnungen des Wortes Gottes täuschen. Diese ändern aber an dem Lügen-Charakter der ganzen Bewegung nichts, vergleiche 2. Korinther 11, 3-4 und 14.

 

3. Die Gemeinde Gottes in Deutschland hat Grund, sich tief zu beugen darüber, daß diese Bewegung Aufnahme finden konnte. Wir alle stellen uns wegen unserer Mängel und Versäumnisse, besonders auch in der Fürbitte, mit unter diese Schuld. Der Mangel an biblischer Erkenntnis und Gründung, an heiligem Ernste und Wachsamkeit, eine oberflächliche Auffassung von Sünde und Gnade, von Bekehrung und Wiedergeburt, eine willkürliche Auslegung der Bibel, die Lust an neuen aufregenden Erscheinungen, die Neigung zu Übertreibungen, vor allem aber auch Selbstüberhebung, - das alles hat dieser Bewegung die Wege geebnet.

 

4. Insonderheit aber ist die unbiblische Lehre vom sogenannt "reinen Herzen" für viele Kreise verhängnisvoll und für die sogenannte Pfingstbewegung förderlich geworden. Es handelt sich dabei um den Irrtum, als sei die "innewohnende Sünde" in einem begnadigten und geheiligten Christen ausgerottet. Wir halten fest an der Wahrheit, daß der Herr die Seinigen vor jedem Straucheln und Fallen bewahren will und kann (1. Thessalonicher 5, 23; Judas 24-25; Hebräer 13,21), und daß dieselben Macht haben, durch den hlg. Geist über die Sünde zu herrschen. Aber ein "reines" Herz, das darüber hinausgeht, auch bei gottgeschenkter, dauernder Bewahrung mit Paulus demütig sprechen zu müssen: "Ich bin mir selbst nichts bewußt, aber dadurch bin ich nicht gerechtfertigt", empfängt der Mensch überhaupt auf Erden nicht. Auch der gefärdertste Christ hat sich zu beugen vor dem Gott, der allein Richter ist über den wahren Zustand der Herzen, vergleiche 1. Korinther 4,4. "Wenn wir sagen, daß wir Sünde nicht haben, so verführen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns", 1. Johannes 1,8. In Wahrheit empfängt der Gläubige in Christo ein fleckenlos gereinigtes Herz; aber die Irrlehre, daß das Herz in sich einen Zustand der Sündlosigkeit erreichen könne, hat schon viele Kinder Gottes unter den Fluch der Unaufrichtigkeit gegenüber der Sünde gebracht, hat sie getäuscht über Sünden, die noch in ihrer Gedankenwelt, in ihren Versäumnissen, oder in ihrem Zurückbleiben hinter den hohen Geboten Gottes in ihrem Leben liegen. Es kann nicht genug ermahnt werden, für die Sünde ein Auge sich zu bewahren, welches nicht getrübt ist durch eine menschlich gemachte Heiligung oder durch eine eingebildete Lehre von der Hinwegnahme der Sündennatur. Mangelnde Beugung über eigene Sünde verschließt den Weg zu neuen Segnungen und bringt unter den Einfluß des Feindes. Traurige Erfahrungen in der Gegenwart zeigen, daß da, wo man einen Zustand von Sündlosigkeit erreicht zu haben behauptet, der Gläubige dahin kommen kann, daß er nicht mehr fähig ist, einen Irrtum zuzugeben, geschweige denn zu bekennen. Eine weitere traurige Folge falscher Heiligungslehre ist die mit ihr verbundene Herabsetzung des biblischen, gottgewollten ehelichen Lebens, indem man mancherorts den ehelichen Verkehr zwischen Mann und Frau als unvereinbar mit wahrer Heiligung hinstellt, vergleiche 1. Mose 1,28 und Epheser 5,31.

 

5. In der sogenannten "Pfingstbewegung" steht in Deutschland Pastor Paul als Führer vor der Öffentlichkeit. Er ist zugleich der Hauptvertreter der vorstehend abgewiesenen unbiblischen Lehren. Wir lieben ihn als Bruder und wünschen, ihm und der Schar seiner Anhänger in Wahrheit zu dienen. Es ist uns ein Schmerz, gegen ihn öffentlich Stellung nehmen zu müssen. An Aussprachen mit ihm und an Ermahnungen im engeren und weiteren Brüderkreise hat es nicht gefehlt. Nachdem alles vergeblich war, müssen wir nun um seinet- und der Sache Gottes willen hiermit aussprechen: Wir, die unterzeichneten Brüder, können ihn als Führer und Lehrer in der Gemeinde Jesu nicht mehr anerkennen. Wir befehlen ihn in Liebe, Glaube und Hoffnung der zurechtbringenden Gnade des Herrn.

 

6. Wir glauben, daß es nur Ein Pfingsten gegeben hat, Apostelgeschichte 2. Wir glauben an den hlg. Geist, welcher in der Gemeinde Jesu bleiben wird in Ewigkeit, vergleiche Johannes 14,16. Wir sind darüber klar, daß die Gemeinde Gottes immer wieder erneute Gnadenheimsuchungen des hlg. Geistes erhalten hat und bedarf. Jedem einzelnen Gläubigen gilt die Mahnung des Apostels: "Werdet voll Geistes!" Epheser 5,18. Der Weg dazu ist und bleibt völlige Gemeinschaft mit dem gekreuzigten, auferstandenen und erhöhten Herrn. In Ihm wohnt die Fülle der Gottheit leibhaftig, aus der wir nehmen Gnade um Gnade. Wir erwarten nicht ein neues Pfingsten; wir warten auf den wiederkommenden Herrrn.

Wir bitten hierdurch alle unsere Geschwister um des Herrn und seiner Sache willen, welche Satan verderben will: Haltet Euch von dieser Bewegung fern! Wer aber von Euch unter die Macht dieses Geistes geraten ist, der sage sich los und bitte Gott um Vergebung und Befreiung. Verzaget nicht in den Kämpfen, durch welche dann vielleicht mancher hindurchgehen wird. Satan wird seine Herrschaft nicht leichten Kaufes aufgeben. Aber seid gewiß: der Herr trägt hindurch! Er hat schon manchen frei gemacht und will Euch die wahre Geistesausrüstung geben.

Unsere feste Zuversicht in dieser schweren Zeit ist diese: Gottes Volk wird aus diesen Kämpfen gesegnet hervorgehen! Das dürft auch Ihr, liebe Geschwister, Euch sagen, die Ihr erschüttert vor den Tatsachen steht, vor welche unsere Worte Euch stellen. Der Herr wird den Einfältigen und Demütigen Licht geben und sie stärken und bewahren. Wir verlassen uns auf Jesum, der Erzhirten. Wenn jeder dem Herrn und seinem Worte den Platz einräumt, der ihm gebührt, so wird ER das Werk seines Geistes, daß Er in Deutschland so gnadenreich angefangen hat, zu seinem herrlichen, gottgewollten Ziele durchführen. Wir verlassen uns auf Ihn, der da spricht: "Meine Kinder und das Werk meiner Hände lasset mir anbefohlen sein"! Jesaja 45,11 (wörtliche Übersetzung).

 Berlin, den 15. September 1909.

 

Es folgen 56 Unterzeichner und die Bemerkung: "Zustimmungen zu vorstehender Erklärung sind erbeten an Pastor Wittekindt, Wernigerode a. Harz, Papental 14."

 

IV. Kasseler Erklärung

Gemeinsame Erklärung des Hauptvorstandes der Deutschen Evangelischen Allianz und des Präsidiums des BFP, 1996

 

Wir sind dankbar

Wir sind dankbar, daß nach offenen Gesprächen zwischen Vertretern der Deutschen Evangelischen Allianz (DEA) und des Bundes Freikirchlicher Pfingstgemeinden (BFP) Vertrauen gewachsen ist. Nachdem bereits auch an vielen Orten gut zusammengearbeitet wurde, veröffentlichen wir gemeinsam folgende Erklärung.

1. Der BFP bekennt sich uneingeschränkt zur Glaubensbasis der DEA. Christen aus freikirchlichen Pfingstgemeinden sind bereit, auf dieser biblisch-theologischen Grundlage in der DEA mitzuarbeiten und die Gemeinsamkeit des Glaubens in den Mittelpunkt zu stellen. Sie werden unterschiedliche Lehrmeinungen und spezifische Formen der Frömmigkeit innerhalb der DEA respektieren und eigene Unterschiede zu anderen Kirchen und Gemeinschaften um des gemeinsamen Zeugnisses und Dienstes willen in der Allianzarbeit zurückstellen. Das Gebet Jesu um die Einheit seiner Jünger gewinnt für uns auch angesichts der zunehmenden Säkularisierung der Gesellschaft wachsende Bedeutung.

 

Wir bekennen

2. Im Blick auf die Lehre über den Heiligen Geist und die Praxis der Geistesgaben (Charismen) betonen DEA und BFP folgende Übereinstimmungen und treten für deren Verkündigung und praktische Umsetzung ein:

2.1. Wir bekennen uns zum dreieinigen Gott, dem Vater, dem Sohn und dem Heiligen Geist., Der Heilige Geist ist zugleich Gottes unverfügbares und unverdientes Geschenk an gerechtfertigte Sünder. Wir nehmen diese Gabe demütig und dankbar an.

2.2. Das grundlegende Werk des Heiligen Geistes besteht darin, daß er zur Erkenntnis der Sünde, zu echter Reue und Buße und zum rettenden Glauben an Jesus Christus führt. Der Heilige Geist verherrlicht Christus und bewirkt mit dem Wort Gottes die Wiedergeburt eines Christen. Er rüstet die Gläubigen mit Gaben aus und gibt die Kraft zum Leben in der Heiligung, wirkt die "Frucht des Geistes" (Galater 5,22) und bevollmächtigt zum Dienst. Dieses Sicht läßt kein mehrstufiges Heilsverständnis zu.

2.3. Wir bejahen die Gnadengaben des Heiligen Geistes und die Dienste, wie sie im im Neuen Testament bezeugt werden. (1. Korinther 12 und 14, Römer 12). Diese dienen zu Erfüllung des missionarischen Auftrages, zum Bau der Gemeinde und zur persönlichen Erbauung. Die Praxis der Dienste und Gaben soll von Liebe und Demut geprägt sein.. "Einer achte den andern höher als sich selbst" (Phil 2,3; vgl. auch 1., Korinther 13 in seiner zentralen Bedeutung für die Gabenlehre).

2.4. Die Gabendienste und ihre Träger sind auf Ergänzungen und Korrektur angewiesen. Sie müssen sich am in der Bibel offenbarten Wort Gottes messen lassen. Deshalb dürfen die verschiedenen Geistesgaben (z.B. Zungenreden, Heilungen, Unterscheidung der Geister, etc.) nicht höher geachtet werden als die Dienste (z.B. Lehre, Leitung, Evangelisation, Barmherzigkeit, etc).

2.4.1. Prophetie im neutestamentlichen Sinne gibt es sowohl durch vollmächtige Auslegung der Heiligen Schrift in die gegenwärtige Situation von Gemeinde und Welt hinein, als auch als geistgewirkte prophetische Rede. Alle Lehre, Weissagung und prophetische Rede ist am Wort der Schrift zu prüfen und zu beurteilen.

2.4.2. Beim Sprachengebet und der Sprachenrede wird die apostolische Ordnung nach 1. Korinther 14 verbindlich anerkannt.

2.4.3. Krankenheilungen sind freie und unverfügbare Geschenke Gottes. Sie weisen zeichenhaft auf den vollbrachten Sieg am Kreuz und auf das kommende Gottesreich hin. Da wir aber "im Glauben und nicht im Schauen". (2.Kor. 4,18) leben, gilt es, in Verkündigung und Seelsorge neben der Bitte um Krankenheilung stets deutlich zu machen, daß Gott auch in Zeiten der Krankheit segnen und sich verherrlichen kann.

 

Wir bedauern

3. Wir bedauern, daß spektakuläre Erscheinungen, wie z.B. das "Ruhen im Geist", "Lachen im Geist", die Austreibung sogenannter "territorialer Geister" usw. zur Verunsicherung, Verwirrung und Spaltungen in der Gemeinde Jesu geführt hat. Ungeachtet der unterschiedlichen Bewertungen im einzelnen sind wir uns einig, daß , um des gemeinsamen Auftrages in der Evangelischen Allianz willen, insbesondere im Zusammenhang von Veranstaltungen, Projekten, usw., die im Rahmen und in der Verantwortung der Evangelischen Allianz durchgeführt werden, solche umstrittenen Inhalte keinen Raum finden.

 

Wir sind bereit

4. Das Präsidium Freikirchlicher Pfingstgemeinden und der Hauptvorstand der Deutschen Evangelischen Allianz sind bereit, bei sich ergebenden Schwierigkeiten in der praktischen Zusammenarbeit auf örtlicher oder regionaler Ebene an klärenden Gesprächen mitzuwirken.

 

Stuttgart/Erzhausen, 1. Juli 1996

 

V. Die Azusa-Street-Erweckung – ein Film-Beitrag des ERFwww.azusastreetproject.com/gallery.php

Verrückte, Fanatiker und Lügner, so bezeichnen die Zeitungen den jungen Prediger William J. Seymour und die kleine Gruppe Christen, die sich 1906 in Los Angeles um den Sohn ehemaliger Sklaven gescharrt hat. Dabei wollen sie eigentlich nur eins: Gott erleben. Das erweist sich als der Startschuss für die Pfingstbewegung, die sich im Laufe des 20. Jahrhunderts in der ganzen Welt verbreitet. Die Dokumentation beschäftigt sich mit den Anfängen dieser Gemeindeform.

 

Verfügbar in der ERF-Mediathek vom 19.05.2013, Länge: 44:59 Minuten. Ein Film über die Ursprünge der Pfingstbewegung, die ihren unscheinbaren Anfang 1906 in Los Angeles nahm. Zum Filmbeitrag (Weiterleitung externe Seite)